Mangalarga Marchador Gangpferde

Da fast niemand die Rasse meiner Pferde kennt und ich häufig danach gefragt werde, schreibe ich hier ein paar persönliche Zeilen darüber. Durch Zufall hat es sich ergeben, dass mein erstes Pferd ein Mangalarga Marchador (MM) war. Auf der Suche nach einem jungen Nachfolger habe ich mir zwar verschiedene Pferde angesehen, bin dann aber doch wieder bei ihnen gelandet. Da ich vor allem ein feinfühliges, nervenstarkes Freizeit- und Familienpferd mit bequemen Gängen gesucht habe, bin ich mit meiner Wahl sehr zufrieden.

Die Mangalarga Marchodores stammen aus Brasilien und wurden für die Rinderarbeit aus eingeführten Berbern, Altér Real und anderen iberischen Pferden gezüchtet. Je nachdem von welcher Blutlinie sich das jeweilige Pferd ableitet, gibt es unterschiedliche Ausprägungen. Es gibt Mangalargas mit mehr Ausdauer, mehr Galoppvermögen, mehr Töltveranlagung sowie schwerer oder leichter gebautem Exteriör.

Das Besondere an den Mangalargas ist unter anderem ihre bequem zu sitzende Marcha – ein natürliche Töltvariante. Es gibt zwei Ausprägungen: MMs mit Marcha Batida-Veranlagung (ein zum Trab verschobener Tölt wie man hier gut sieht) und MMs mit Marcha Picada-Veranlagung (ein eher zum Pass verschobener Tölt wie man hier erkennen kann). Die Fußfolge ist immer die gleiche, allerdings verweilt die Marcha Batida in der diagonalen Zweibeinstütze länger, während bei der Marcha Picada die laterale Zweibeinstütze länger gehalten wird. Drei- und Zweibeinstützen wechseln sich in beiden Fällen ab und das Ausbleiben einer Schwebephase ergibt den Sitzkomfort.

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Am besten kann man die beiden Gänge am Klang differenzieren. Während sich die Marcha Picada eher wie ein rhythmischer Viertakt anhört, klingt die Marcha Batida wie ein Trab mit Nachhall. Für Gangpferde haben MMs aufgrund ihrer iberischen Vorfahren einen guten Galopp. Aus eigener Erfahrung kann ich die allgemeine Meinung bestätigen, dass die Batida-Typen einen noch runderen, besser gesprungenen Galopp haben, dafür fühlt sich die Picada (zumindest bei meinem Pferd) noch erschütterungsfreier an. Im Vergleich zu anderen Gangpferden ist vielleicht noch zu sagen, dass die Bewegungen der MMs bewusst bodennah und raumgreifend sind – ohne spektakuläre Knieaktionen.

Wer sich für diese Gangpferderasse oder Kreuzungen daraus interessiert, dem möchte ich folgendes ans Herz legen. Mangalargas sind bequem zu reitende und meist sehr umgängliche Pferde mit klarem Kopf, die selten hektisch oder unüberlegt agieren. Buckeln und Steigen unter dem Sattel habe ich persönlich bei meinen Pferden fast nie erlebt, auch nach mehreren Wochen Stehzeiten nicht. Trotzdem würde ich sagen, dass sie aufgrund ihrer Feinfühligkeit und der Töltveranlagung keine Anfängerpferde sind. Ein zusätzlicher Gang bedeutet eine große Herausforderung, der man sich als Reiter bewusst sein sollte. Allerfeinste Gewichtsveränderungen können eine Verschiebung zum verspannten, ungesunden Pass bewirken und der Ausdifferenzierung der verschiedenen Gänge sollte man sich gewachsen fühlen (oder es zumindest ernsthaft werden wollen). Bei stark Tölt veranlagten MMs im Picada-Typ, braucht es gewissenhafte Vorbereitung und Gymnastizierung, damit sie einen guten Galopp entwicklen können.

Wer ein ähnliches Pferd ohne ausgeprägte Gangveranlagung und mehr Aufwärtsgalopp sucht, wird mit einem Berber gut beraten sein, wenn es etwas größer sein soll mit einem Lusitano. Wer ein spanisch geprägtes Gangpferd mit höherem Temperament, kräftigem Halsansatz und mehr Knieaktion sucht, kann sich zum Beispiel beim Paso Fino oder Paso Peruano umsehen. Wer ein großes Gangpferd spanischer Abstammung sucht, wird vielleicht bei den Paso Iberoamericanos fündig. Wer weiß was es heißt ein Gangpferd auszubilden und zu reiten und ein mittelgroßes Pferd mit zuverlässigem Temperament und sanftem Charakter sucht, dem kann ich den Mangalarga Marchador mit gutem Gewissen empfehlen.