Die Aufarbeitung von Foto- und Videodokumentationen über Monate hinweg ist sehr zeitaufwendig. Weitere Fallbeispiele folgen 2021, sobald es meine Zeit zulässt.

Mangalarga Marchador Hengst, 5 jährig

„Vorher und 4-Jahre-Nachher“ über die Muskelentwicklung meines eigenen Pferds.
Als wir ihn 5-jährig gekauft haben, hatte er einen Hirschhals mit Axthieb, eine sehr schmale Brust, kaum tragende Muskulatur und poppende Kniebänder – heute sieht er in Bewegung fast aus wie ein anderes Pferd. Als erstes hat seine Hinterhand und sein Rücken aufgemuskelt (die Kniebänder haben sich dadurch vollständig stabilisiert), dann wurde seine Brust breiter und nun fängt sich langsam die Halsbasis an aufzufüllen.
Es hat auch nichts mit dem Hengst-sein zu tun, ob sich z.b. der Hals schön entwickelt, sondern ob die Pferde von uns lernen, sich gesunderhaltend zu bewegen. Das ist ein jahrelanger, vor allem koordinativer (Denkleistung, Übung, Gleichgewicht und Tragkraftaufbau sind also gefragt, nicht die Pferde vorwärts in Kurven über Tempo auspowern!), individueller (jedes Pferd braucht auf diesem Weg andere Hilfestellungen von uns) Prozess.
Tausende Muskelstränge müssen wie ein Orchester lernen derart zusammenzuarbeiten, dass aus der Vielfalt an möglichen Tönen eine harmonische Symphonie wird.
Der Muskelmasseaufbau begann bei Destino, als die Rückenmuskeln schrittweise anfingen, sich richtig zu koordinieren und den Widerrist anzuheben (was für ein talentiertes Gangpferd so richtig schwierig ist, weil die doppelt so viele Instrumente im Orchester haben, wie ein Dreigänger).

Haflinger Wallach, 7 jährig

31.07.2020
Neu gewonnene Vertikalität und Schulterfreiheit im Trab auf der Quadratvolte
Ruhig oder gar versammelt zu traben war zu Beginn undenkbar, da er immer schneller wurde bis er kaum mehr zu bremsen war. Nur 6 Einheiten später zeigt Wellington ein völlig neues Bewegungsmuster.
Wie haben wir das erreicht? Hauptsächlich Vertrauensarbeit plus feinste Körpersprache und einer Prise biomechanischem Hintergrundwissen zur Schiefenrotation. Und wie man sieht ist Gymnastizierung keine unbedingte Frage der Ausrüstung, sondern vielmehr der Art der Kommunikation. Ist ein Pferd dann auch noch so motiviert und seiner Trainerin zugewandt, kann es auch mal überraschend schnell bergauf gehen mit der Bewegungsqualität. Super gearbeitet Annemarie, die Beine deines Wellington werden es dir danken!
23.07.2020
Erst gestern hat das zweiwöchige Intensivtraining einer neuen Kundin und ihrem zuckersüßen Haflinger am Pferdehof Vogt gestartet, aber da die beiden so offen und bereit für neue Impulse sind, konnte ich im Sinne der Ganzheitlichkeit bereits in 2 Tagen sehr viele Punkte anregen:
  • Hufe: Ich habe die zu langen Zehen der Vorhand und die einhergehenden Probleme erörtert und die Kontakte von Hufexperten weitergegeben um auch eroieren zu lassen, ob bei einem 7-jährigen Pferd ein Beschlag wirklich notwendig ist (Fazit: schon am nächsten Tag kam der Schmied, der im übrigen auch verwundert war wie lang die Zehen in nur 5 Wochen gewachsen waren und meinte, ein Beschlag sei bei diesem gutem Hornwachstum nicht notwendig)
  • Beginn einer gesundheitserhaltenden Arbeitsweise: Schluss mit schief & schnell – JA zu versammelt und vertikal!
    • Aufklärung geleistet, über die (sehr) verschiedenen Trainingskonzepte, die es so gibt..
    • Analyse seiner Bewegungsdynamik und der natürlichen Schiefenrotationen seiner Wirbelsäule

Bild der Hufabdrücke: auf der rechten Hand fußt der rechte (unbeschlagene) Hinterfuß einen ganzen Huf breit weiter innen auf als das rechte (beschlagene) Vorderbein – das ist bei einem Pferd, das geritten wird, auf Dauer keine gesunde Bewegungsidee

    • Feine Balanceverschiebungen mit sanften Ecken für mehr Bewegungsharmonie und Geraderichtung (der Gesundheit dienliche Rotation der Wirbelsäule fördern)
    • Eiligen Vorwärtsschub der Hinterhand mit Vorhandlastigkeit umlenken in erste versammelte Schritte mit angehobenem, vertikalem Widerrist
  • Neuverknüpfung seiner zuvor (woanders) erworbenen Erfahrung des Longierens als gehetzt werden in entspanntes, dialogisches Arbeiten – Stress macht Pferde und Mensch geistig und körperlich krank, viele junge Pferde haben außerdem noch nicht genug Gleichgewicht um diesem sinnlosen Kreiseln in überhöhtem Tempo schadlos zu entgehen. Den Stress den er uns bei Longier-ähnlichen Raumkonstellationen gezeigt hat, haben wir durch sanfte, gezielte Neuverknüpfungen abfliesen lassen bis wir wieder einen Happy Hafi hatten!
  • Vorbereitungen für entspanntes Ausreiten (ein Wunsch der Kundin) durch Führübungen aus einer weit hinten liegenden Führposition gemacht und genaue Hausaufgaben fürs Spazieren im Gelände mitgegeben.

Paso Peruano Wallach, 8 jährig

Einblick in den Verlauf der Intensivtrainingstage mit Silvia und ihrem süßen Paso Peruano Niño vergangene Woche.
Da feinste Hilfengebung immer auch ein tiefes Einlassen vom Pferd braucht, sind Entspannung und großes Vertrauen gegenüber Mensch und Umwelt für mich die Grundvoraussetzung vor jeder Art von Gymnastizierung.
Aufgrund seiner Mimik (angezogene Unterlippe, Nüstern, Augenausdruck, Ohrenspiel..) und seinem Körpertonus (Unterhals, angespannte Muskulatur..) haben Silvia und ich uns deshalb bei unseren allerersten gemeinsamen Einheiten ausschließlich dem Thema Entspannung gewidmet. Niño hat hat es uns innerhalb der 3 Tage mit einem völlig neuen Körpertonus und Gesichtsausdruck gedankt.
Um dem Nervensystem der Pferde die Möglichkeit zu geben, aufgestauten Stress loslassen zu können, arbeite ich mit meiner Somatischen Resilienzstärkung. SR ist eine sanfte und tief wirkungsvolle Methode, die ich vor einigen Jahren aus der humanen Traumatherapie entwickelt und für Pferde adaptiert habe. Das Tempo der Zyklen lasse ich dabei die Pferde selbst bestimmen. Sie genießen diese Entspannungsprozesse sehr und werden folglich geistig und körperlich entspannter.
Ich bin immer wieder selbst überrascht, wie schnell sich die Pferde verändern, wenn man ihnen den Raum dafür gibt.

Warmblut Wallach, 19 jährig

Muskelaufbau ist auch im höheren Alter und unter schwierigen Voraussetzungen möglich
19 Jahre alter Wallach, Kissing-Spines-Diagnose, einen alten Sehnenschaden mit Verkürzung links vorne, Arthrosen auf beiden Vorderbeinen und massive Muskelatrophie v.a. in der Sattellage – das sind nicht die rosigsten Startbedingungen für einen Pferdebesitzer.
Doch wie ihr 4 Monate später schon sehen könnt, kann man auch in solchen Fällen noch viel bewirken.
Der Zustand vorher war übrigens kein Mangel an Pflege oder Fütterung – im Gegenteil, das Pferd befindet sich in sehr wohlwollenden Händen. Vielmehr ist das leider die häufige Folge einer nicht gesundheitserhaltenden Reitweise. Die Besitzerin bekam einen Reha-Trainingsplan, welchen wir aufgrund der langen Krankenakte auch durch eine Zusammenarbeit mit Dr. Kübber (Tierarzt spezialisiert auf Pferdeorthopädie) abgesegnet haben.
Hier hat jemand aus Liebe zu seinem Pferd gehandelt und dafür gekämpft – es wurde der Realität ins Auge gesehen, Verantwortung übernommen, Hilfe geholt, Prinzipien losgelassen, eigene Bedürfnisse hinten angestellt, konsequent und regelmäßig gearbeitet und vor allem: Ein altes Pferd nicht aufgegeben!

https://vimeo.com/80051933

Vollblut Stute, 18 jährig

Video von 2013. Diese Vollblutstute war über 18 Jahre hinweg ein sogenanntes „Problempferd“ und eines meiner ersten Kundenpferde. Vor allem ihre enorme Unberechenbarkeit bzw. Schreckhaftigkeit hatte in der Vergangenheit eine Reihe von blutigen Unfällen und umgerissenen Zäunen mit sich gebracht. Hinzu kam, dass sie in einer Stutenmilchaufzucht in Einzelhaltung aufgewachsen war und dadurch auch kein Vertrauen in andere Pferde hatte. Ich wurde angerufen, weil man sie seit einigen Monaten nicht mehr aus der Paddockbox führen konnte. Aufgrund ihres höheren Alters und der jahrelang eingefahrenen Muster, machte ich der Besitzerin bei unserem ersten Zusammentreffen nicht allzu große Hoffnungen.
Doch ich sollte mich irren :-) In nur wenigen Einheiten konnte die Stute Vertrauen fassen und sich zentrieren. Der Schlüssel waren tiefe Ruhe, Geduld, klare Grenzen, das Verstehen ihrer grundlegenden Bedürfnisse und „echtes“ Natural Horsemanship, welches immer ein Dialog sein sollte, der auf hohe Beziehungsqualität und die enorme Sensibilität unserer Pferde ausgerichtet ist.